Die Sache mit den zwei Pfund
Als ich für 1 Jahr in London
als Au Pair gelebt habe, hatte ich einmal einen stressigen Tag und wollte nach der Arbeit noch in die city um einiges zu erledigen und anschließend eine Freundin besuchen. Also packte ich mein Zeug in eine größere Tasche um und eilte los.
An der Untergrundbahnstation angelangt, zog ich meine Karte heraus und stempelte am Gerät ab, um hineinzukommen. Pieeep – ein schriller Ton ertönte, ich ging weiter und dachte, ich lade die Karte später mit Geld wieder auf. (Es gibt für Bus und Bahn eine Karte, die man beliebig mit Geld aufladen kann und dann einfach abstempelt beim Rein- und Rausgehen. Somit wird der jeweilige Geldbetrag abgezogen. Hat man nur noch sehr wenig Geld drauf, piepst das Gerät, lässt einen aber trotzdem durch. Ist zu wenig Geld drauf, kommt man nicht mehr rein oder raus ohne eine erneute Geldaufladung.)
An der beliebten Oxford Street angelangt, ging ich in einen Laden und wollte eine Postkarte kaufen. Doch als ich an der Kasse meinen Geldbeutel aus meiner Tasche holen wollte, bemerkte ich, dass mein Geldbeutel weg war. Schock! Ich durchsuchte meinen ganzen Rucksack und stellte fest, dass mein Handy auch noch fehlte. Ich musste es zu Hause beim Umpacken liegen lassen haben. Die Postkarte hat der Verkäufer mir zwar geschenkt, aber das brachte mich auch nicht nach Hause ohne Geld und Handy... Meine Karte für die Bahn war ja so gut wie leer und reichte nicht mehr für die Bahn.
Ich ging zur Bahn und versuchte einfach, noch reinzukommen und dachte, vielleicht reicht es gerade noch für eine einzige Fahrt. Pieeep – vergebens! Ich versuchte es noch einmal und noch einmal - vergebens. Ich ging zu einem der Assistenten und erzählte ihm meine Situation und hoffte auf ein barmherziges Herz, das mich trotzdem durchlässt. Ich versprach selbstverständlich, die Karte danach wieder aufzuladen. Doch ich hatte keine Chance. Verzweifelt und Menschenmengen an mir vorbeirauschend, stand ich mitten in der U-Bahnstation und überlegte, was ich jetzt machen soll. Ich kam mir so hilflos und machtlos vor! Ich dachte echt, das Einzige was ich jetzt noch tun kann, ist auf die Straße gehen und betteln. Entweder es musste ein Wunder geschehen oder ich brauchte einen netten Busfahrer, der mich gnädigerweise umsonst mitfahren lässt.Ich bat Gott auch um Hilfe! Da kam mir die Idee, zu einem Zeitungsstand zu gehen und diesen Typ zu fragen, ob er mir zwei Pfund für den Bus leihen könnte (Bei einer leeren Karte kostet die Busfahrt zwei Pfund, ansonsten nur 0,90 Pfund). Während ich mir überlegte, was ich ihm erzählen soll, dachte ich, der glaubt mir nie im Leben und wird denken, ich bin verrückt. Genauso schaute er mich auch an, zögerte kurz und gab mir dann tatsächlich zwei Pfund. Ich versprach ihm, dies wieder zurückzubringen und eilte freudenstrahlend zum Bus. Erstaunlicherweise benötigte ich die zwei Pfund gar nicht, weil auf meiner Karte gerade noch so viel Geld drauf war, wie ich für eine Busfahrt benötigte. Gott ist so gut! Endlich zu Hause angekommen, waren mein Geldbeutel und mein Handy tatsächlich auf dem Bett gelegen. Ich schnappte mein Zeug, lud meine Karte auf und fuhr zurück zum Zeitungsstand. Ich brachte diesem Mann die zwei Pfund zurück und gab ihm etwas zu Lesen über Jesus. Er schaute mich noch verwunderter an, als er es beim ersten Mal tat, bedankte sich und ich ging weiter, um endlich meine Sachen zu erledigen.
Ich war so von Gott überwältigt, wie er mir in dieser Situation geholfen hat und für mich gesorgt hat und dankte ihm dafür.
Noch heute erinnere ich mich immer wieder an dieses Erlebnis mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht und denke, es ist wahr: Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich (Lukas 1, 37).
Ich möchte es mir immer wieder zum Gebet werden lassen, dass doch dieser Mann, dem ich damals am Zeitungsstand begegnet bin, Jesus auch als seinen Erretter und Herr finden darf. Auch wenn ich mich erst darüber geärgert hatte, so hat es sich auf alle Fälle gelohnt, um mich für Gott gebrauchen zu lassen.
Corinna
