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Vergeben - kann man das?

Hast Du schon einmal einen Fehler gemacht? Blöde Frage, wer hat schon noch nie einen Fehler gemacht. Aber was ist mit dem, der unter Deinem Fehler zu leiden hatte? Ist er sauer auf Dich? Redet er vielleicht nicht mehr mit Dir? Sinnt er auf Rache?
Das ist doch ganz normal, wirst Du sagen: Wie Du mir, so ich Dir! Oder vielleicht doch nicht? Gibt es auch noch einen anderen Weg auf Fehler anderer zu reagieren?

Vergebung, Haende schuetteln, vergebende Haende Schon mal was von Vergebung gehört?
Was ist denn das nun wieder Altmodisches? Vergebung ist doch etwas für Waschlappen!
Würdest Du unseren Bundespräsidenten als Waschlappen bezeichnen?
Ja, echt, der hat nämlich vom Gesetz aus ein Gnadenrecht. Das heißt, er kann rechtmäßig verurteilte Verbrecher begnadigen. Er lässt dann Gnade für Recht ergehen. Wie geht es denn einem solchen Begnadigten, wenn er von seiner Begnadigung erfährt? Sicher, er freut sich über alle Maßen, weil er weiß, dass ihm das Gesetz nichts mehr anhaben kann. Er ist frei von seiner Schuld, da er ja für dasselbe Verbrechen nicht noch einmal verurteilt werden kann.

Wenn Vergebung eine solche Freude auslösen kann, dann lohnt es sich sicher, einmal etwas tiefer darüber nachzudenken.
In Wikipedia online (http://de.wikipedia.org/wiki/Vergebung) ist Folgendes unter „Vergebung“ zu lesen (auszugsweise):

„Vergebung heißt nach dem griechischen a·mnestia, Nicht-Gedenken. Sie gilt in vielen Kulturen als eine menschliche Tugend (auch eine Tugend der Könige). Wer anderen vergibt, ist für etwas, das ihm angetan worden ist, nicht nachtragend und zur Versöhnung bereit.“

Nun legt die Bibel, und damit Gott selbst, einen großen Wert auf Vergebung, sowohl von Gott zu den Menschen als auch zwischen den Menschen untereinander.
Weshalb? Weil es eben um Fehler und den Umgang damit geht.

In der Bibel steht, dass jeder Mensch gesündigt hat (Römer 3, 10-23). Das heißt, jeder hat Fehler gemacht, für die ihn Gott zur Verantwortung ziehen wird, weil der Lohn für die Sünde der Tod ist (Römer 6, 23).
Nun hat aber Jesus Christus, als er unter furchtbaren Qualen am Kreuz gelitten hat und dann gestorben ist, diese Strafe stellvertretend für alle Menschen auf sich genommen (Jesaja 53, 3-6).
Und damit kann Gott jedem Menschen vergeben, der erkennt, dass er Vergebung braucht und daran glaubt, dass Jesus Christus für ihn gestorben ist. Dann bekommt er Vergebung Gottes und ewiges Leben (Johannes 3, 16; Epheser 1, 7). Glaubst Du das? Lies doch einmal die Bibelstellen nach, es lohnt sich.

Da uns nun aber Gott in Jesus Christus vergeben hat, so will er jetzt, dass auch wir uns untereinander vergeben (Matthäus 6, 14.15; Epheser 4, 32).
Hast Du schon das Vaterunser gebetet?
Dort heißt es ja auch:
„Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“ Matthäus 6, 12

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Wollen wir diesen Vorgang einmal an einem ganz praktischen Beispiel betrachten?
Vielleicht die meisten von uns haben schon einmal eine Verletzung im Elternhaus erlebt. Möglicherweise sind sehr verletzende Worte gefallen bis hin zu Dingen wie: „Du bist nicht mehr meine Tochter oder mein Sohn!“. Und dies vielleicht völlig zu Unrecht.
Wie gehe ich jetzt damit um?
Ich erinnere mich an meine Kindheit, in der mein Vater einmal „Du Drecksack“ zu mir gesagt hat. Das mag wie eine Kleinigkeit erscheinen, aber mich hat es damals zutiefst verletzt, weil ich meinen Vater sehr geliebt habe. Und ich erinnere mich immer noch daran, nach mehr als 30 Jahren. Ich kann mich allerdings nicht daran erinnern, dass er mich je dafür um Vergebung gebeten hätte.

Nun hätte ich meinen Vater dafür hassen können. Ich hätte beleidigt sein können. Ich hätte versuchen können auch ihn, wo immer möglich, zu verletzen und ihm Böses zu tun. Habe ich das? Nein! Weshalb nicht? Weil ich meinen Vater weiterhin geliebt habe. Hätte ich all dies getan, hätte ich mich ja nur in mein eigenes Fleisch geschnitten. Ich selbst wäre immer unglücklicher geworden und die Beziehung zu meinem Vater wäre über kurz oder lang ganz in die Brüche gegangen.

Hast Du schon einmal einen glücklichen Rächer gesehen? In manchen Kulturkreisen gibt es ja immer noch die Blutrache. Man verfolgt eine andere Person so lange, bis man sie schwer verletzt oder gar umgebracht hat. Dann, ist die Rache endlich gestillt, bleibt nur eine tiefe Leere und die Gegenrache verfolgt einen weiter.
Deshalb tut man sich selbst den größten Gefallen, wenn man vergeben kann.
Vergeben ist ein aktiver Prozess, eine aktive Entscheidung, nicht nachtragend und zur Versöhnung bereit zu sein, auch wenn der andere sich nicht entschuldigt oder nicht zur Versöhnung bereit ist!

Gott sagt von sich selbst, dass er unserer Sünden und Ungerechtigkeit nicht mehr gedenken will (Hebräer 10, 17). Könnte er es? Selbstverständlich. Aber Er vergibt dadurch, dass Er bewusst nicht mehr an unsere Fehler denkt.

Machen wir das doch untereinander genauso. Wir werden viel glücklichere Menschen sein.
Sicher, aus eigener Kraft oder Anstrengung ist das fast unmöglich, aber Gott bietet uns Seinen Beistand und Seine Kraft an, wenn wir nur zu Ihm kommen und Ihn darum bitten (Matthäus 11, 28).
Vergebung braucht Kraft, die in uns selbst nicht zu finden ist.
ABER: Wer Gott um Weisheit bittet (Jakobus 1, 5) bekommt sie auch in überreichem Maß geschenkt und kann dann echt vergeben, in der Liebe Gottes.
Teste es doch einmal aus. Der HERR Jesus Christus segne Dich!