OnlyJesus-online.de Themen Wenn der Boden unter den Füßen schwankt...

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. Drucken

Wenn der Boden unter den Füßen schwankt...

Baum Es ist erst ein paar Tage her, dass mich am Abend ein Anruf erreicht: „Ob ich vielleicht etwas genaueres weiß?  Das Gerücht kursiert, dass eine Kollegin vor ein paar Stunden erschossen wurde". Nein, ich wusste nichts. Eine kurze Recherche im Internet bestätigte jedoch das Gerücht. Die Angaben, dass eine 31jährige von ihrem von ihr getrennt lebenden Ehemann erschossen wurde, verdichteten sich mit jeder weiteren Information und wurden zur Gewissheit, dass das Schreckliche und Unfassbare sich wirklich ereignet hat.

Eine düstere, bleierne Schwere kroch in mir hoch. Bilder blitzten in meinem Kopf auf, ich sah das lachende Gesicht der Kollegin, die direkt im Büro nebenan arbeitete. Konnte das wirklich wahr sein? Auf der anderen Seite sah ich das Bild des Täters, der auch bis vor einiger Zeit in der Firma gearbeitet hatte. Bei den wenigen Gelegenheiten, an denen ich ihn getroffen hatte, hatte ich ein paar freundliche Worte gewechselt.

Es war einfach zu unwirklich. In dieser Nacht saß ich noch lange in meinem Lesesessel, unfähig etwas zu tun. Ich nahm mehrere Bücher in die Hand und legte sie wieder weg, alles erschien so oberflächlich und sinnlos. Nur ein Buch schaffte es, durch die „Nebelwand" zu dringen und etwas zu trösten: die Bibel.  Ganz bewusst schlug ich die  Psalmen auf, da diese Worte oft auch in die Verzweiflung und Not hineingeschrieben wurden:

Ich startete mit Psalm 90:    Zuflucht in unserer Vergänglichkeit

...dann Psalm 91:   Unter Gottes Schutz

Vor dem nächsten Morgen war mir schon ziemlich Angst. Wie begegnet man in so einer Situation seinen Kollegen? Eine unbeschreibliche, gedrückte Stimmung lag über der Firma. Viele erfuhren es erst an diesem Morgen, es gab viele Tränen und rotgeweinte Augen und einige mussten nach Hause gehen, da sie nicht arbeiten konnten. Es war deutlich jedem abzuspüren: der Boden unter den Füßen schwankte!

Weshalb trifft uns dies so tief und lässt uns fassungslos zurück?

  1. Wir erleben die Zeitlichkeit und Vergänglichkeit, der wir Menschen unterworfen sind.
  2. Die Endgültigkeit des Todes - den wir gerne verdrängen - bricht in den Alltag ein.
  3. Die Brutalität des Menschen und die  Sinnlosigkeit der vom Menschen geschaffenen Mittel zur Anwendung  von Gewalt, wird  schmerzhaft klar.

Die Vergänglichkeit und Endgültigkeit wurde und wird mir in den  Tagen danach immer wieder wie Messerstiche bewusst, die sich schmerzhaft in mich hineinbohren:

  • Als ich meinen Kaffee auf der Kaffeeliste eintrage, sticht mir in die Augen, dass in der Spalte unter  dem Namen der getöteten Kollegin, die „Kaffee-Striche" schlagartig aufhören. Als sie den letzten Kaffee auf der Liste eintrug, hatte sie und niemand von uns damit gerechnet, dass es der letzte „Strich" unter ihrem Namen sein wird.
  • In meinem Posteingang befanden sich noch e-Mails der Kollegin, auf die ich noch nicht geantwortet hatte - ich kann ihr nie mehr antworten, sie ist tot.
  • Am Morgen nach dem Mord wurde noch ein Outlook-Termin für eine Projekt-Telekonferenz am Abend versandt - die Kollegin hatte eine wichtige Koordinationsaufgabe in diesem Projekt - sie war aber schon tot.

Mir ist wieder ganz intensiv bewusst geworden, wie entscheidend es ist, nicht ausschließlich auf den schwankenden Untergrund meines Lebens angewiesen zu sein.

Es gibt  jemanden, der über jede Zeit hinausragt, Jesus Christus, der von sich sagen kann (Offenbarung 22,13) :

„Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende"

Es gibt etwas, das über dieses Leben hinausragt (1. Petrus 1,3b):

In seinem grenzenlosen Erbarmen hat er uns neues Leben geschenkt. Weil Jesus Christus von den Toten auferstanden ist, haben wir die Hoffnung auf ein neues, ewiges Leben. [Hoffnung für Alle Übersetzung]

Es gibt etwas, was uns auf schwankendem Boden Halt gibt (Römer 8,35 ):

Was also könnte uns von Christus und seiner Liebe trennen? Leiden und Angst vielleicht? Verfolgung? Hunger? Armut? Gefahr oder gewaltsamer Tod? [Hoffnung für Alle Übersetzung]

Die einzige Frage von wirklicher Bedeutung, die sich in meinem und deinem Leben stellt, ist: Habe ich einen Halt,  wenn der Boden unter den Füßen schwankt? Oder anders ausgedrückt, ist Jesus Christus, mit allen Konsequenzen, der Herr in meinem Leben?

 

Christoph Bohn