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Gnade - ein Geschenk Gottes

Ist es nicht schon lange her,
dass wir deinen Auftrag kapiert haben?
Sind wir nicht lange genug ängstlich gewesen,
Dass wir die Not ignoriert haben
Von Anfang an
Hast du uns getragen
Du hast uns das Leben eingehaucht
Jetzt stehen wir hier
Weil du gesagt hast
Du hast uns alles gegeben, was wir brauchen  Wir brechen auf
Mit neuem Mut
Weil Gott durch uns Wunder tut
Wir werden sehen
Wie Gelähmte gehen
und taube Ohren Gott verstehen Den Gurt der Wahrheit um die Hüfte
und einen Helm auf unsrem Kopf
Einen starken Panzer vor der Brust
Und Schuhe, mit denen sich’s leicht läuft
Den Schild des Glaubens in der Hand
Wollen wir unser Leben lang vertrauen'
Ein Schwert, das nie im Kampf versagt
Ein Gott, der immer zu uns steht

 

Ich weiß nicht, wie sehr euch das oben stehende Lied beim Lesen beeindruckt hat: Wir brechen auf, mit neuem Mut! Ich finde es echt super und ich glaube, dass wir in einer Zeit leben, in der wir als Christen in unserer Nation neu aufbrechen sollen. Wir sollen neu auch den Glauben haben, dass Gottes Herrlichkeit in einer ungebrochenen Art in die Sichtbarkeit unserer Straßen, unserer Orte, unserer Schulen, unserer Krankenhäuser, etc. hereinbricht.

Aber eine Sache gibt es dabei auch, die ich als Gefahr sehe: Nämlich die Tatsache, dass wir einfach mal wieder aufs Gas drücken wollen. Wir hören so viele Botschaften und sagen oft: „Hey kommt, wir geben mal wieder Gas!“ Aber ich glaube, dass Gott uns einfach etwas anderes verheißen und uns einen anderen Lebensstil gegeben hat.

Dazu möchte ich zurückblenden an den Anfang, als ich mein Leben Jesus übergeben habe. Damals stand für mich Epheser 2, 8 ganz klar im Zentrum:

Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.

Ich glaube einfach, dass wir wirklich aus Gnade errettet worden sind. Ich wusste das damals schon. Dieser Jesus ist mir erschienen. Ohne Jesus gibt es keine Errettung. Wenn der Heilige Geist uns nicht die Augen öffnet, wenn wir die Botschaft nicht wirklich hören können und sie nicht in unser Herz dringt, kann einfach nichts passieren. Manchmal vergessen wir das, manchmal haben wir das Gefühl, unsere Errettung sei eine Folge eines christlichen Lebensstils oder weil wir uns irgendwie gut entwickelt haben oder weil uns mal ein gläubiger Freund über den Weg lief. Aber wenn dies passiert ist, dann ist das alles Gnade. Gottes Wort sagt: Nur aus Gnade könnt ihr errettet werden. Das heißt: Gnade ist einfach ein Geschenk des Himmels. Das hat nichts mit uns zu tun. Ich denke, Römer 3, 23+24 drückt das treffend aus:

Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.

Wir sind gerechtfertigt worden. Nicht, weil wir uns irgendwie in die Hände gespuckt und gesagt haben: „So, jetzt gehen wir mal mit diesem Jesus vorwärts!“ Nicht, weil wir irgendwie ein christliches Umfeld hatten, das uns das Evangelium brachte. Nicht, weil wir uns besonders mit der Bibel beschäftigt haben und Wissensdurst hatten und dann den richtigen Weg eingeschlagen haben. Nicht, weil wir irgendwas getan haben – sondern es ist allein direkt vom Himmel. In Johannes 16 steht, dass der Heilige Geist geschickt wurde, um uns erkennen zu lassen, dass wir Sünder sind. Ohne diese Gnade, ohne, dass es direkt vom Himmel bewirkt wird, können wir das nie, wirklich nie erkennen.

Es ist eine absolute Frechheit, wenn wir denken, dass unsere Entscheidung für Jesus so ein Mix ist zwischen dem, was wir selber geleistet haben und dem, was Gott an uns bewirkt hat. Es ist wirklich das, dass Gott uns so geliebt hat, er hat uns gerufen, er hat seine Gnade gegeben. Und wenn Gott seine Gnade aus unserem Leben nehmen würde, dann könnten wir ab sofort nicht mehr glauben, nicht mehr anbeten und es würde überhaupt nichts mehr passieren. Das einzige, was wir noch könnten, wäre das Aufrechterhalten einer Religion. Aber es wäre nicht das, was Gott uns verkündet hat.

Ich glaube, dass wir als Christen in dieser westlichen Welt in einer Gefahr stehen. Diese Gefahr gab es früher auch schon. Paulus schreibt den Galatern in Galater 3,1: „Wer hat euch bezaubert?“ Wer hat euch gesagt, dass es für ein Leben mit Jesus drauf ankommt, dass ihr in die Hände spuckt, dass ihr Gas gebt oder was auch immer? Wer hat euch solche schrägen Dimensionen verkündet? Wer hat euch gesagt, dass ihr mit eurem Willen irgendwas hervorbringen könntet, das geistliches Leben hat? „Wer hat euch verzaubert?“ In Galater 2,21 sagt er ungefähr: „Wenn ihr es mit eurer Leistung schaffen würdet, dass ihr gerettet werdet, dann hätte Jesus nicht sterben müssen.“ Aber Jesus ist gekommen, weil er wusste: „Das sind hundertprozentig verlorene Menschen.“ Er ist gekommen, um uns Gnade zu bringen. Er hat uns dieses riesige Geschenk gemacht. In Titus 2 steht, dass uns die Gnade durch Jesus Christus erschienen ist. Es geht jetzt nicht darum, dass Jesus unseren guten Willen vervollständigt, sondern wir müssen wissen, dass wir ohne seine Gnade gar nichts tun können.

Wenn wir in dieser leistungsorientierten Gesellschaft Jesus kennen lernen, kommt es darauf an, ob wir wirklich aus dieser Gnade leben oder ob wir wieder auf die Leistungsschiene zurückkippen. Ich habe mein eigenes Leben betrachtet und gesehen, dass ich sehr stark an Leistung orientiert war. Ich versuchte mit meiner Leistung Christ zu sein. Ich wollte ein besserer Christ werden. Das ist ein Stress! Das verrückte ist, dass es mir gelungen ist. Ich konnte ein bisschen Gas geben, ne gute Predigt halten, ein paar gute rhetorische Sprüche von mir geben und dann hat sich sogar was bewegt, so sah es zumindest aus. Aber das kam alles aus meiner Leistung heraus. Und immer wieder, wenn ich vor einer Herausforderung stand, vor einer Predigt, vor einem Dienst, hab ich die Krise gekriegt und gedacht: Wie bekomm ich nur genug Kraft zusammen, dass ich das irgendwie schaffe? Und ständig war dieser Stress in meinem Rücken: Du packst das wahrscheinlich nicht! Und die Erwartung der Leute um dich her steigt dann mit der Zeit auch. Die wollen auch, dass du ein besserer Christ, ein besserer Redner, ein besserer Mitarbeiter,… bist. Ich hab das alles dadurch versucht zu schaffen, indem ich immer mehr Gas gegeben habe – bis Gott mir einmal auf eine ganz gewaltige Art den Vers aus 2. Korinther 12,9 erklärt hat:

Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

Gott hat mir damals gewaltig den Stecker rausgezogen, sodass ich über längere Zeit nicht mehr reden und nicht mehr laufen konnte. Ich wurde wirklich wie gelähmt aus diesem Raum getragen. Gott hat mir an diesem Tag noch mal klar gemacht: „Du kannst schon auf Leistung bauen, aber das ist dann kein Evangelium. Das hat nichts mit mir zu tun. Lass dir doch an meiner Gnade genügen. Reicht sie denn nicht? Bin ich denn umsonst für dich gestorben?“ Damals habe ich mich ergeben und habe gesagt: „Gott, jetzt gebe ich mich dir noch einmal ganz hin.“ In Kolosser 1,6 sagt Paulus: „Erst dann hat mein Leben Frucht gebracht, als ich verstanden habe, dass ich aus Gnade leben soll.“

Das habe ich persönlich auch so erlebt. Ich hatte vorher schon Frucht, aber das war Frucht aus meinem Schaffen, aus meinem Willen, aus meinem Fasten, aus meinem Gebet, aus meinem Bibellesen,… Aber das ist nicht das Evangelium! Das ist keine Freiheit! Das ist nicht das, was fröhlich macht! Sondern das was mich wirklich bewegt, ist das Wissen, dass ich nichts mehr aus eigener Kraft tun muss! Gott hat mich errettet mit all meiner Schwachheit, mit all meiner Unmöglichkeit! Lass dir doch an meiner Gnade genügen!

Aber offensichtlich haben wir in unserer Kultur einen christlichen Buddhismus entwickelt. Buddhisten sind Menschen, die alles aus ihrer eigenen Kraft hervorbringen müssen. Wir haben die Werte von Gottes Reich genommen und versucht, diese mit Kraft umzusetzen. Und am Schluss waren wir oft wie Autos unterwegs, die sich von Tankstelle zu Tankstelle schleppen, von Kongress zu Kongress, von Gottesdienst zu Gottesdienst, damit wir immer wieder Kraft bekommen. Ich habe so viele Christen gesehen, die so wie ich kurz davor waren, auf dem Pannenstreifen stehen zu bleiben. Und dann sieht man die anderen vorbeifahren und denkt: „Ja, ja, so konnte ich früher auch mal! Da hab ich auch Gas gegeben, aber jetzt bin ich ein angenehmer Christ geworden… Ich warte jetzt einfach mal ab, bis Jesus wiederkommt oder ich sterbe.“

Das ist nicht das, was Gott uns vorlebt! Nicht dazu hat Jesus uns gerettet! Jesus möchte uns als Fahrzeuge in diese Welt stellen, die von Sonnenkollektoren angetrieben werden. Er ist das Licht! Er treibt uns an. Nicht unsere Leistung treibt uns an, auch nicht das Gemeindeprogramm, nicht unsere religiösen Ansprüche, die wir uns gestellt haben, sondern Jesus treibt uns an! Das ist das, was Paulus uns so klassisch vorlebt. Er sagt in Römer 8, 37:

Aber in dem allem überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat.

Die Liebe von Jesus treibt ihn an. Wenn wir lernen aus dieser Gnade zu leben, dann werden wir in einer neuen Geschwindigkeit vorankommen.

Lasse ich mich täglich von dieser Gnade beschenken? Das ist das, was Jeremia in seinem Klagelied ausdrückt. Mitten im Klagen sagt er: „Aber zum Glück ist deine Gnade jeden morgen neu!“ (Klagelied 3,22) Auch Psalm 100,5 spricht davon:

Seine Gnade währet ewig.

Was heißt das praktisch, wenn wir merken: „Ja, stimmt, ich bin auch so ein Verzauberter, wie Paulus in Galater 3 sagt? Ich habe auch so ein verdrehtes Evangelium im Herzen.“ Was heißt das dann genau?

Ich glaube, als erstes müssen wir erkennen, dass es wirklich ein Fluch unserer Gesellschaft ist (und ich nenne es bewusst so hart) – dieser ganze Leistungsstress. Wir werden geliebt, wenn wir geleistet haben. Bei Gott ist es nicht so. Er sagt in Jeremia 31, 3:

Ich habe dich je und je geliebt!

Nicht, weil du geleistet hast, liebe ich dich, nicht, weil du eine gute Predigt gehalten hast. Nein, es ist Gottes Grundeinstellung, seine Grundhaltung. Das ist ein ganz entscheidender Punkt, dass wir uns immer wieder ergeben und sagen: „Gott, ich möchte deine Perspektive von meinem Leben. Ich möchte nicht mit meiner Kraft irgendwie vorankommen, sondern ich möchte mich einfach in deine Arme fallen lassen. Ich möchte lernen, aus der Gnade zu leben. Lös du diesen Fluch für mich!“ Paulus bringt das in Galater 3,13 auf den Punkt:

Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns.

Jesus hat für uns diesen ganzen Bann, den ganzen Leistungsdruck gebrochen. Paulus sagt in 1. Korinther 15,10: Ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. Wenn die Gnade in unser Leben kommt, dann gibt es echtes Leben! Dann müssen wir nicht aus unserer Reserve was rauslocken, sondern es kommt direkt von Gott. Praktisch heißt das für mich, dass ich immer wieder, wenn ich morgens aufstehe, Jesus erlebe, von dem ich weiß, er bringt mir wieder Gnade! Gnade, dass ich aufstehen kann, Gnade, dass ich Freude am Bibellesen bekomme, Gnade, mich auch manchmal durch Dinge durchzubeißen. Manchmal gibt er mir vielleicht auch keine Lust zum Bibellesen, aber dann darf ich wissen, dass er mir Gnade gibt, da jetzt durchzugehen.

Ich erlebe Gnade im Umgang mit anderen. Es gibt einfach auch Menschen, die ich nicht so gern habe. Da brauche ich Gnade, dass ich sie lieben kann. Ich brauche Gnade, um Geduld zu haben. Ich brauche Gnade, um Ehemann zu sein. Ich brauche Gnade, um Vater zu sein. Viele kommen und sagen, ich sei ein guter Ehemann. Aber wisst ihr, das ist nur Gnade! Das ist sicher nicht, weil ich es irgendwie leisten kann! Und wenn ich die Gnade nicht jeden Morgen abholen würde, wenn ich das Abholen vergessen würde, dann wäre ich ein unausstehlicher, mühsamer, nervender, nörgelnder Mensch. Ich brauche also unbedingt diese Gnade! Ich brauche auch Gnade, um Geduld zu haben!

Oft kommt es so, dass auch wir Jesus etwas geben wollen. Genau das ist der Fehler. Da sind wir auf dem besten Weg, um aus der Gnade zu fallen. In Galater 5,4 sagt Paulus:

Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid aus der Gnade gefallen.

Wisst ihr was das heißt? Das ist wirklich eine Katastrophe!
Gott möchte ein Volk, das wieder lernt aus Gnade zu leben. Gott möchte ein Volk, das wieder sagt: Gott, du hast nicht eine Sehnsucht nach starken Menschen, sondern ein Sehnsucht nach Menschen, die lernen aus Gnade zu leben. So wie es in Psalm 147 heißt:

Er hat keine Freude an der Stärke des Rosses und kein Gefallen an den Schenkeln des Mannes. Der HERR hat Gefallen an denen, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen. 

Und wenn wir dann so als mit Sonnenkollektoren angetriebene Fahrzeuge unterwegs sind, kann es schon sein, dass wir mal nicht soviel Dampf haben. Aber dann sage ich: Gott hat mir die Gnade gegeben, jetzt mit 20 km/h zu fahren. Und manchmal gibt er mir die Gnade mit 200 km/h unterwegs zu sein. Das spielt eigentlich keine große Rolle. Die Frage ist immer wieder: Was hat Gott bereit? Manchmal ließ Gott mich mit 20 km/h durch die Gegend tuckern. Am Anfang ärgerte mich das oft, aber dann habe ich gemerkt, dass Gott mich auch manchmal braucht, wenn ich nur mit 20 km/h unterwegs bin. Vielleicht braucht Gott mich bei einem Bruder oder einer Schwester, die nicht auf Touren kommen und nicht schneller fahren können. In 1. Petrus 4,10 steht, dass wir einander dienen sollen in den verschiedenen Arten von Gnade, die wir bekommen.

geschenk, geburtstag, gnade Aus Gnade leben heißt nicht, dass alle mit 200 km/h unterwegs sind. Es heißt auch nicht, dass jeder zu jeder Zeit die gleiche Leidenschaft hat. Aus Gnade leben heißt, zu wissen, dass Gott uns immer zur rechten Zeit das geben wird, was wir brauchen. Gehen wir ihn doch suchen und erleben das, was Paulus gesagt hat: Von dem Moment an, als mein Leben von Gnade genährt wurde, habe ich Frucht gebracht! Wie sehne ich mich nach dieser Frucht! Wie sehne ich mich danach, dass das oben stehende Lied Realität wird: Wir brechen auf!

Aber nicht so, dass wir wieder irgendwie Gas geben wollen, sondern wir brechen auf, indem wir uns von Gott beschenken lassen!

 

Zusammenfassung einer Predigt von Matthias Kuhn (Kuno)
Veröffentlicht auf der CD „Gnad“ von „Ozwöi“
www.ozwoei.ch