Freiheit
Ein Raunen geht durch die Menge junger Männer. Zu Hunderten sitzen sie hier. Ihre Gedanken pendeln zwischen Hoffen und Bangen. Dabei gehören sie eigentlich zu den Glückspilzen ihrer Generation. Der Krieg ist aus. Sechs Jahre hat er gewütet und Tausende ihrer Altersgenossen mit Kugeln getroffen und durch Granaten zerfetzt. Und sie? Sie haben überlebt!
Heute (es ist Mitte Juni 1945) werden aus dem amerikanischen Gefangenenlager in der Nähe von München alle Landwirte entlassen. Auch Franz gehört zu ihnen. Vor gut einem Jahr war er wie durch ein Wunder aus dem Kessel von Stalingrad entkommen. Und nun (nicht einmal zwei Monate nach Kriegsende) ist er bereits auf dem Weg in die Freiheit. Freiheit - das ist ein Wort! So oder ähnlich denkt er und mit ihm wohl alle, die sich mit ihm dicht an dicht auf der Ladefläche des Lastwagens drängen. Ein letztes Mal diese Art von Viehhaltung. Immerhin: es geht der Heimat zu! Doch - noch sind sie nicht zu Hause ...
Der Zug setzt sich in Bewegung. Das Ziel ist Stuttgart und Karlsruhe. Am Steuer sitzt ein Schwarzer. Offensichtlich ist er nicht ortskundig. In Ulm schlägt er die Richtung Würzburg ein. Gleich geht das Geschrei los. Die dabei gewählten Worte will ich hier nicht wiedergeben. Franz versucht zu beschwichtigen: Seid doch zufrieden! Die Hauptsache ist, wir kommen frei. Nach einigen Kilometern wird der Fahrer unsicher, hält an und fragt die Freiheitskandidaten um Rat. Es ist Franz, der ihm weiterhelfen darf. Am Besten wir fahren jetzt vollends bis nach Aalen und dann weiter Richtung Westen. Mit Händen und Füßen gelingt es ihm noch, den Schwarzen darum zu bitten, ihn zusammen mit zwei weiteren Heimkehrern bereits in Schwäbisch Gmünd abzusetzen. So kommen die Drei auf freien Fuß. Und die anderen? Sie kommen zwar in Stuttgart, aber nicht zu Hause an. Die Franzosen, die hier das Sagen haben, finden den Plan der Amerikaner, die feindlichen Soldaten freizulassen, gar nicht nett. So wird das Absteigen zum Umsteigen. Auch die Franzosen haben Lastwagen und Lager für Gefangene.
Wie sieht die Freiheit in Christus aus?
Unser umgangsprachlicher Freiheitsbegriff hat etwas Absolutes. Ein Vogel sitzt im Käfig. Er ist gefangen. Öffnen wir den Bauer und versäumen vorher das Fenster zu schliessen, dann ist der Vogel frei. Er kann fliegen, wann, wie und wohin er will. Nichts hält ihn auf. Er bestimmt alles: Abflug, Richtung und Route, und das Ziel.
Für uns Menschen gibt es eine solche Vogel-Freiheit nicht. Jesus sagte:
Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Matthäus 7,24
Entweder - oder. So ist das. Einem Herren dienen wir! Freiheit heißt, sich dem Herrn hinzugeben, der uns liebt und der uns nicht Knechte, sondern Freunde und Brüder nennt: Jesus Christus! Freiheit heisst, sein Joch aufzunehmen und seine Last zu tragen. Freiheit heisst, ihn zu fragen: Herr, was willst Du, dass ich tun soll, und ihm zu gehorchen.
Christliche Freiheit ist Gebundensein an Jesus. Aus dem innigen Vertrauen auf ihn erwächst Heilsgewissheit und tätige Liebe. Der Umgang mit der Bibel prägt die praktische Lebensgestaltung. Mit der zunehmenden Christuserkenntnis geht die Umgestaltung in sein Vorbild einher.
Christliche Freiheit ist Freiheit vom mosaischen Gesetz. Christus ist dessen Ende und Erfüllung zugleich. Der Menschensohn steht als dessen Geber über dem Gesetz. Denen, die unter seiner Herrschaft leben, ist kein Gesetz gegeben. Das knechtische Einhalten des Buchstabens hat aufgehört.
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Doch christliche Freiheit ist von allen Seiten bedroht. Davon handelt unser zweiter Teil.
Welches ist das Joch der Knechtschaft?
Die Elberfelder Bibel übersetzt treffender:
Für die Freiheit hat Christus uns freigemacht. ... Lasst euch nicht wieder durch ein Joch der Sklaverei belasten.
Es gibt viele Gefängnisse, aber nur eine Freiheit. Die Freiheit finden wir in Christus. Sie ist ein sanftes Joch, ein Joch der Freundschaft und Kindschaft. Sklavische Joche sind vor den Gespannen des Teufels. In seinem Fahrzeugpark gibt es viele Modelle.
Es gibt Laster, kleine und grosse. Die Menschen sind gebunden an Missgunst und Neid, an Geldgier und Geiz, Unversöhnlichkeit und Hass. Sie sind gefesselt an mancherlei Süchte von A wie Alkohol bis Z wie Zigaretten. Sie kleben an der Ausübung und Darstellung von Gewalt und pervertierter Sexualität. Sie sind geknechtet von Aberglaube, und mancherlei Zukunfts- und Todesängsten. Nicht wenige gehen direkt an den Ketten Satans, des Fürsten alles Bösen.
Dieser Lügner von Anfang an ist auch ein Meister der Verdrehung und Verblendung. Zu seinen Fahrzeugen gehören auch edle Luxuslimousinen. Hier finden sich beispielhafte Freigebigkeit, ehrenamtliches Engagement in mancherlei gemeinnützigen Ausschüssen und Verbänden bis hin zur selbstlosen Aufopferung in den verschiedensten sozialen Werken und caritativen Einrichtungen. Im Verborgenen wird dabei Alles auf das Konto "Gute Werke" gebucht, das die unheimliche Vorahnung auf ein letztes Gericht beschwichtigend vorsorglich angelegt und fleissig geführt wird.
Die meisten Menschen chauffiert er allerdings in gewöhnlichen Reisebussen. Ganze Scharen bewegen sich nach dem Gesetz der breiten Masse. Recht ist, was alle tun. Bloß nicht auffallen. Sie lassen sich manipulieren von Modemachern und Trendsettern. Hierher gehört leider auch das unreflektierte Vertrauen in eine von der Tradition vorgegebene Volksgläubigkeit mit den haltlosen Stützen namens Kirchensteuer und Sakramente.
Das Fahrzeug mit dem schwierigsten Klientel ist das, welches der Apostel Paulus im Galaterbrief adressiert: tiefgläubige Menschen, die die absolute Ernsthaftigkeit ihrer Frömmigkeit mit einer ganzen Liste handfester Tatsachen förmlich unter Beweis stellen können. Dabei handelt es sich häufig um Verhaltensregeln, die Disziplin und Willenskraft des Menschen aufs Äußerste herausfordern. Das für den Teufel wirklich Schwierige daran ist, dass er sorgfältig darauf achten muss, dass die in diesen Leuten vorhandene, mehr oder weniger ausgeprägte Christus-Erkenntnis nicht dazu führt, dass sie den Weg in die herrliche Freiheit der Kinder Gottes finden. Dazu hat er ein raffiniertes Instrumentarium. Bindung an Menschen, Gruppenzwänge aller Art, rastlose Betriebssamkeit und anderes mehr.
Der Teufel hat viele Gefangenenlager und nichts dagegen, seine Häftlinge vom einen ins andere zu verlegen. Freiheit in Christus ist ein schmaler Weg. Wenige sind ihrer, die ihn finden. Aber dem Aufrichtigen lässt es Gott gelingen und dem Demütigen gibt er Gnade. Wo stehen Sie heute? Treten Sie aus der Dunkelheit in das helle Licht des Evangeliums! Hören Sie die Worte von Jesus Christus: Es ist vollbracht! Und: Folge mir nach! Stehen Sie fest und lassen Sie sich nicht wieder durch ein Joch der Sklaverei belasten!
